Alkohol bei jungen Menschen : was, wenn IA die Lösung wäre ?

Idiap - IA-alcool

Der Alkoholkonsum von Jugendlichen bleibt für die Verantwortlichen der Gesundheitspolitik ein wichtiges Thema im Bereich der Prävention. Allerdings gibt es kaum greifbare Daten, auf die man sich bei der Entwicklung wirksamer Strategien stützen könnte. Bisher dienten Umfragen als Grundlage, doch diese sind oft verzerrt und nicht ausreichend objektiv.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, haben Forscher des in Martigny ansässigen Forschungsinstituts Idiap ein vom Schweizerischen Nationalfonds unterstütztes Forschungsprojekt mit dem Titel Dusk2Dawn entwickelt, dessen Ziel es ist, objektive Daten über den Alkoholkonsum von Jugendlichen zu sammeln. Das Projekt zielt darauf ab, den Schleier über dem alkoholbezogenen Nachtverhalten von Jugendlichen in der Schweiz zu lüften.

Die Ziele von Dusk2Dawn lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:

  • Die Gewohnheiten identifizieren und die Rolle privater Räume im Nachtleben der Jugendlichen verstehen.
  • Definieren der nächtlichen Aktivitäten auf der Grundlage von Sensordaten, Videos und maschinellem Lernen.
  • Untersuchen, welche Getränke in verschiedenen Kontexten konsumiert werden, einschließlich der Genauigkeit des selbstberichteten Alkoholkonsums und der Fähigkeit, Merkmale der physischen Umgebung aus Fotos abzuleiten. Schlüsseldaten, die mithilfe einer intelligenten App gesammelt werden.

Um diese Ziele zu erreichen, gliederte sich das Projekt in zwei Bereiche. Erstens wurde eine mobile App mit Algorithmen für künstliche Intelligenz entwickelt, um Bild- und Tonaufnahmen von Videos zu analysieren, die mit den Smartphones freiwilliger Personen aufgenommen wurden. Die Algorithmen erfassten die Umgebungshelligkeit, den Geräuschpegel und die Anzahl der anwesenden Personen. Dadurch konnten zuverlässige Korrelationen zwischen dem Alkoholkonsum und der Umgebung der Freiwilligen hergestellt werden.

Anschließend wurden in einem multidisziplinären Forschungsansatz die reichhaltigen Daten, die von jungen Freiwilligen mithilfe von Smartphones (über die App) gesammelt wurden, und die Analysen der Algorithmen mit den Einschätzungen der Teilnehmer gekreuzt.

Die ersten Erkenntnisse

Die Forscher zeigten erste signifikante Zusammenhänge zwischen den Messungen durch die App und dem Alkoholkonsum der Jugendlichen auf. Beispielsweise konsumieren Jugendliche mehr an privaten Orten, in lauteren, belebteren und dunkleren Umgebungen. Diese intelligente Anwendung, die auf den Sensoren des Telefons basiert, ist insofern innovativ, als sie eine viel zuverlässigere wissenschaftliche Grundlage als Umfragen liefert. Sie ermöglicht es nämlich, Stunde für Stunde zu messen, wie viel Alkohol Jugendliche in welchem Kontext konsumieren.

Die Kombination aus neuen Datenquellen und Algorithmen könnte von den Gesundheitsbehörden potenziell auf zwei Arten genutzt werden. Die erste Möglichkeit bietet sich als Ergänzung zu den herkömmlichen Methoden der Datenerhebung zu diesem Thema an, d. h. zu Online-Umfragen. Der zweite Weg besteht darin, Experten über Phänomene zu informieren, die vielleicht nicht genau selbst gemeldet werden können, z. B. den Helligkeitsgrad einer physischen Umgebung. Der tatsächliche Wert zweier möglicher Nutzungen muss jedoch erst noch durch zukünftige Forschungen validiert werden.

Vom Akademischen zum Realen

„Wir würden gerne eine Partnerschaft mit lokalen Gesundheitsförderungsbehörden eingehen, um den Wert der im Projekt entwickelten Methoden zu bewerten, wobei der Schwerpunkt auf dem Übergang von der akademischen Forschung zu realeren Kontexten liegt“, sagt Prof. Daniel Gatica-Perez, Leiter der Gruppe für Sozialinformatik am Forschungsinstitut Idiap & EPFL.

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